Naga Self-Administered Zone

Myanmar ist ein wunderschönes Land mit unendlich vielen Reisezielen vom Rande des Himalayas bis zur Andamanensee und seit 2006 unser Favorit. Die Völker im Westen und Norden des Landes liegen geographisch extrem abgeschieden. Politische Unruhen, Reglementierungen der Einreise, fehlende Infrastruktur sowie außerordentlich hohe Reise-Kosten machen bis heute das Vordringen in diese Regionen beschwerlich oder unmöglich, bewahren jedoch die fragile Kultur der verschiedenen Ethnien vor Backpackern und Massentourismus.

Myanmar - Naga Self Administered Zone am 02.06.2017.
Myanmar – Naga Self Administered Zone am 02.06.2017.

„Not so clear.“ war einer der am meisten gehörten und gedachten Sätze während unserer einmonatigen Expedition durch die NAGA SELF-ADMINISTERED ZONE. Das bezog sich zum einen auf unser Brillenprojekt und zum anderen auf die tatsächlichen Lebensumstände der Eastern Nagas. Sie siedeln in dem Gebiet, das zum Territorium Myanmars wurde.

Um die offenen Fragen nach und nach beantworten zu können, bleibt diese Seite ein spannendes unvollendetes Projekt.

Warum zu den Naga? Lucian Scherman schrieb 1911:

Der Upper Chindwin-Distrikt, der seinen Namen nach dem Oberlauf des mächtigsten Irrawaddi-Zuflusses hat, ist nicht allein durch seine Größe der merkwürdigste Verwaltungsbezirk des britisch-indischen Reiches. Ein Teil seiner Grenzgebiete ist noch gar nicht vermessen oder überhaupt irgendwie genau bestimmt, und weite Landstrecken werden auch amtlich als ‘unadministered’ bezeichnet.

Der Ethnologe Christoph von Fürer-Haimendorf lebte 1936 13 Monate im heute zu Indien gehörenden Naga-Gebiet. Er brachte uns im deutschsprachigen Raum als erster die Naga-Völker näher. Die Stammesgebiete auf der birmanischen Seite blieben aber auch ihm verschlossen.

Wenn man heute mit gutem Willen entsprechend lange sucht, gibt das Internet einiges über die Naga in Indien her. Nur wenige Bücher sind in deutscher Sprache erschienen. Alle beschäftigen sich mit den Naga in Indien. Die Naga in Myanmar – Terra incognita. Also, warum zu den Naga? Reine Neugierde.

Die Dörfer sind nur mit einem geländegängigen Motorrad zu bereisen.
Auf dem Weg mit Mumié.

Das Siedlungsgebiet – Nagalim

der Naga liegt in den Ausläufern des Himalayas, dort wo die indische auf die eurasische Platte trifft, gekrönt vom 3.826 m hohen Mt. Saramati. Von Nord nach Süd verläuft die Patkai Range und geht später in die Arakan Yoma über. Sie bildet eine natürliche Grenze zwischen Indien und Bangladesch mit Myanmar. In dieser unzugänglichen Bergregion leben die Naga-Völker auf rund 120.000 km² beidseits der Landesgrenze.

1963 wurde in Indien der Bundesstaat Nagaland gegründet (16.527 km²).

Erst 2010 bekamen die Eastern Nagas eine selbst verwaltete Zone in Myanmar. Sie liegt in der Sagaing Region und umfasst aktuell die drei Townships Lahe, Lay Shi und Nanyun. Man kann auch sagen, ihnen wurde der Dschungel und die Bergrücken gelassen, denn historisch und faktisch besiedeln bis heute die Menschen, welche sich zu den Naga-Völkern zählen, die an Rohstoffen reiche Sagaing Region. Ihr Gebiet wurde unter den verschiedenen Regierungen Burmas / Myanmars immer kleiner.

2014 stellte die Naga National Conference (NNC) zwei Berichte vor, die darauf hinwiesen, dass neben Lahe, Lay Shi und Nanyun auch Hkamti und Homalin Teil des kolonialen Naga Hill Districts waren. Allein die Tatsache, dass dieser Fakt erwähnt wurde, sorgte für einige Unruhe in den unter birmanischer Verwaltung stehenden Gemeinden.

DIE NAGA gibt es nicht – Namen sind Schall und Rauch

Das Wort NAGA ist ein Exonym, das den Völkern schon lange anzuhängen scheint und unterschiedlich interpretiert wird. Bereits im Altertum war der Begriff Nangalogoi, die Nackten, bekannt.

Britische Kolonialbeamte, die als erste im 19. Jh. von Westen auf die Völker trafen, hatten ganz praktische Gründe eine Menge unübersichtlicher Dörfer mit einer unendlichen Vielfalt an Völkern einfach benennen zu wollen.

Die Menschen der Region fühlen sich zu aller erst ihrem Herkunftsdorf verpflichtet, das oft den Namen des Dorfgründers trägt, danach dem namensgebenden Clan. Während und erst recht nach dem Ende der britischen Kolonialzeit (Indien 1947 / Burma 1948) sahen sich die Dörfer gezwungen aus einstigen Feinden, die einander die Köpfe abjagten, zu Verbündeten zu werden. Am einfachsten gelang ihnen die Akzeptanz des gemeinsamen Namen NAGA. Aus einem Exonym wurde ein Ethnonym.

Wer sind die Naga?

Ethnisch zählen sie zu den Tibeto-Birmanen. Die Angaben über die Anzahl der Völker schwanken zwischen 30 und 40. Während der Kolonialzeit kam zum ersten Mal der Begriff Stamm ins Spiel. Es gibt Tribes und Sub-Tribes. Frühere Generationen wussten scheinbar nichts von Stämmen. Ethnologen gliedern heute nach Sprachgruppen. Den unter dem Namen Naga Vereinten sind die geographische und ethnische Herkunft gemeinsam, ihre Geschichte sowie bestimmte kulturelle Wesenszüge.